Genau diese Frage wurde mir vor Kurzem von einer Abiturientin gestellt. Die hatten wohl in Geschichte gerade Mauerbau, Besatzungszonen etc. und nun sollten sie als Hausaufgabe irgendwelche Verwandten oder Bekannte aus dem Osten fragen:
“Was war eigentlich gut an der SBZ bzw. DDR?”
Na ja wenigstens nach potenziellen Antwortgebern musste die oben erwähnte Abiturientin ja nicht lange suchen, denn schließlich besteht ja ihr halber Freundeskreis aus ehemaligen DDR-Bürgern. Woran liegt das eigentlich, dass in der alternativen christlichen Szene hier im süddeutschen Raum so viele Ossis sind? Ich glaube in fast jeder Freakgemeinde sind 30 Prozent Ossis oder noch mehr. In vielen Gruppen sind sogar Gemeinde und Bereichsleiter Ossis. Bei uns war es ja bis vor einiger Zeit ein reines Ossileitungsteam (<–was für ein geiles Wort).
Aber dieses Phänomen beschränkt sich wirklich fast nur auf die alternative Szene, klar es gibt Ausnahmen, aber ich wette es gibt hier im Umkreis keinen AB-Verein oder eine pietistische Gemeinde mit einem Ossileitungsteam. Also woran liegt das? Man könnte ja einfach sagen: “Ohne uns läuft ja hier nüscht…”(Vgl. Herkunft der Bauarbeiter, Tankstellenangestellte etc. in Baden Württemberg) Aber das wäre wohl zu einfach. Diesem Phänomen würde ich später gern mal meine Masterarbeit widmen.
Aber zurück zur eigentlichen Frage. So plötzlich und unerwartet wie sie kam, so wenig konnte ich darauf antworten. Nicht weil ich denke, das es nichts Gutes an der DDR gab, sondern vielmehr weil ich da schon lang nicht mehr darüber sinniert hatte.
Darum möchte ich alle Blogleser, auch die des älteren Semesters, hiermit aufrufen in den Comments der Abiturientin Rede und Antwort zu stehen. “Was war gut an/in der DDR?”
Ich könnte jetzt hier auch virtuelle Stöckchen rumwerfen, aber das ist albern und außerdem sind wir ja keine Hunde.
Und weil wie im Stuhlkreis sich immer keiner traut den Anfang zu machen, fange ich mal an. Denn woher kam meine plötzliche Antwortlosigkeit? Ich denke, ich konnte nicht gleich antworten weil ich schon zu DDR-Zeiten sehr systemkritisch erzogen wurde und vieles schon früh hinterfragt habe (Respekt an meine Eltern). Ich konnte den Pionierkram, Gruppenzwang, Stolz auf Soldaten sein und die Russenfreundschaft nicht verstehen. Alles was mir als Kind von offiziellen Seite erzählt wurde, sei es im Kindergarten, in der Schule oder von Funktionären hatte für mich Haken, sei es in ideeller als auch in praktischer Hinsicht.
Beispiel gefällig…”Ein Hoch auf die deutsch-sowjetische Freundschaft. Die Sowjetbrüder haben uns von der faschistischen-kapitalistischen Sklaverei befreit. Vom großen Bruder lernen, heißt siegen lernen usw.” Diese Parolen hat jedes Kind in Schule, Kindergarten und Büchern zur Genüge eingetrichtert bekommen. Soweit ja noch alles recht und schön, kann ein Kind ja alles nachvollziehen. Aber ein Kind kann nicht nachvollziehen, wenn es sieht wie der große Bruder nachts in den Garten der Oma klettert und die Äpfel von den Bäumen klaut und im Herbst die Kartoffeln, die wir ein ganzes Jahr lang gehegt und gepflegt haben. Das versteht ein Kind nicht. Außerdem hatten wir Westfernsehen aus Berlin, sogar Sat.1 und Vox. Und ein Kind versteht auch nicht warum Kinderschokolade nur für Kinder im Westen ist, ganz geschweige von MilkyWay, Ü-Ei und Kollegen.
Tja das alles habe ich hinterfragt. Vielleicht war ich auch nur neidisch auf meine Cousins aus dem Westen. Denn die hatten eine ganze Kiste voll Lego, überleg mal, eine ganze Kiste…Und ein Haufen bunte T-Shirts. Und nicht das Weiße mit dem blauen/roten Streifen und den Olympiaringen wie ich und der Rest meiner Klasse. Und warum darf ich die eigentlich nicht besuchen? Hä? Und auch nicht Oma´s Bekannte in Polen. Hä?
Aber ich schweife ab also was war denn nun gut?
Das Frauenbild war besser. Frauen waren das Rückgrat der Gesellschaft. Sie waren genauso wichtig und unverzichtbar in der Produktion wie Männer. Und wurden nicht zum kindergroßziehenden Ganztagsmuttis degradiert.
Die Bildung war härter und besser. Ja viele denken, alle Ossis sind dumm, die hatten in Erdkunde nur weiße Karten und jeder hatte eh seinen Arbeitsplatz sicher. Aber ich denke man hat mehr, härter und schneller gelernt als heute. Ich wurde im September eingeschult und Weihnachten konnte ich lesen. Und zwar unbekannte Texte und alle Buchstaben des Alphabets. Heutzutage kann man ja froh sein wenn Kinder nach der Grundschule einigermaßen flüssig lesen und schreiben können. Das meine ich….
…to be continued…